Ein außergewöhnlicher Übungsdienst der Freiwilligen Feuerwehren Davenstedt und Badenstedt fand am 17.07.2014 auf dem Gelände des Reit- und Voltigiervereins Badenstedt e.V. statt. Der RVV Badenstedt e.V. hatte sowohl sein Gelände als auch einige der vereinseigenen Pferde zur Verfügung gestellt, um den Mitgliedern der Einsatzabteilungen, die im Notfall auf dem Gelände zu erwarten sind, den Umgang mit Pferden in einer Gefahrensituation zu ermöglichen.
Gegen 18:30 Uhr trafen auf dem Vereinsgelände insgesamt 32 interessierte Personen Übungsdienst ein, um zunächst das Gelände des Vereins zu erkunden in Bezug auf Evakuierung bzw. Fluchtmöglichkeiten der Pferde sowie vorhandene Fluchttüren im Stallgebäude. Anschließend wurden den im Umgang mit Pferden meist unerfahrenen Mitgliedern kurz erläutert, wie sich Pferde, die ja von Natur aus Fluchttiere sind und sich in der Regel in Herden aufhalten, in einer Gefahrensituation vermutlich verhalten werden, bzw. was aus Sicht eines Pferdes bereits als Gefahr eingestuft wird. In diesem Zusammenhang wurde vor allem darauf hingewiesen, dass bereits ein am Boden liegender Feuerwehrschlauch verhindern kann, dass ein Pferd diesen Bereich betritt. Entsprechend sollte beim Schlauchmanagement berücksichtigt werden, dass die Fluchtwege schlauchfrei gehalten werden müssen.
Nach diesen einführenden Erläuterungen konnten sich die Feuerwehrleute in der Reithalle des Vereins zwei Vertreter der vereinseigenen Pferde einmal von Nahem betrachten. Zunächst ging es um die allgemeine Körpersprache des Pferdes, um den Anwesenden zu verdeutlichen, wie ein Pferd seine Umgebung wahrnimmt und wann es sich in die Enge getrieben fühlt und entsprechend nicht mehr flieht, sondern sich wehren wird. Da die Pferde und Ponys des Reitvereins gewohnt sind, von verschiedenen Menschen versorgt und angefasst zu werden, fand der erste direkte Kontakt mit dem imposanten, 1,83 m großen Schweizer Warmblut Rasmussen und dem Fjordpferd Harry statt, der deutlich kleiner ist und durch seine langjährige Zugehörigkeit im Schulbetrieb des Vereins auch viel relaxter und ruhiger war. Durch sein handliches Format und sein entspanntes Verhalten Fremden gegenüber hat er sich schnell viele Freunde gemacht.
Nachdem das korrekte Anlegen eines Halfters und Führen eines Pferdes demonstriert worden war, konnten alle Feuerwehrleute dies selbst einmal am lebenden Objekt ausprobieren. Dabei muss man beachten, dass beim Führen eines Pferdes der Strick nie um die Hand gewickelt wird, um ihn im Notfall schnell loslassen zu können und die verwendeten Führstricke normalerweise einen Panikhaken haben, den man schnell und unkompliziert lösen kann, um das Pferd im Zweifelsfall schnell von seinem Strick zu befreien.
Dann wurde die Einsatzbekleidung samt Helm und Funkgeräten angezogen und alle 32 anwesenden Feuerwehrleute trafen in der Reithalle auf die drei Ponys Gizmo, Paul und Harry. Die Feuerwehrleute konnten vom Rand der Halle aus das Verhalten der Ponys beobachten und dabei feststellen, dass sie durchaus unterschiedlich mit der ungewöhnlichen Situation umgehen können. Sobald sich alle Ponys beruhigt hatten, kam Bewegung in die Feuerwehrleute, welche zunächst in kleinen Gruppen und später in einer geschlossenen Reihe am Hallenrand entlang liefen. Nachdem die Pferde zutraulicher, bzw, ruhiger wurden, kam als zusätzlicher Stressfaktor auch noch ungewöhnliche Lärmentwicklung durch Funkgeräte, Arbeitsgeräte und laute Stimmen dazu, welcher die Ponys erneut dazu veranlasst hat, aufgeregt durch die Halle zu galoppieren. Dies zeigt, das schon geringe Veränderungen der aktuellen Situation für Pferde und Ponys bedrohlich wirken können. Nach einer Weile hatten sich die Ponys aber wieder beruhigt und kamen trotz der erhöhten Unruhe in der Gruppe wieder zu den Feuerwehrleuten.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde mit Harry geübt, ein Pferd zu führen, ohne es dafür aufhalftern zu müssen. Dazu haben 4 Freiwillige mit einer Leine eine Art Pferch gebildet, in dem sich das Pony frei bewegen konnte, aber dennoch in eine bestimmte Richtung geführt wurde. Um eine Verletzung der an diesem Experiment beteiligten Personen zu verhindern, wurden mindestens 4 Personen involviert, damit keiner direkt hinter dem Pferd laufen muss.
Am Ende des Abends gab es eine sehr positive Resonanz bei allen Anwesenden. Den Feuerwehrleuten ist nun bewusst wie viel Kraft ein Pferd haben kann, besonders, wenn es sich bedroht fühlt, und das es extrem wichtig ist auf seinen Eigenschutz zu achten. Es ist schließlich zu erwarten, dass selbst Pferde und Ponys, die den Umgang mit verschiedenen Menschen eigentlich gewohnt sind, im Falle eines Brandes instinktiv versuchen werden, von der Gefahrenstelle zu fliehen und der am Donnerstag Abend demonstrierte lockere und zeitaufwendige Umgang mit Pferden nicht stattfinden kann.
Der Übungsdienst ist von allen Anwesenden als sinnvoll erachtet worden um den im Umgang mit Pferden unerfahrenen Mitgliedern der FF Davenstedt und FF Badenstedt zu zeigen, welche Verhaltensweisen man verhindern soll und wie eine Annäherung an das Lebewesen Pferd stattfinden kann. Alle Teilnehmer fanden den Übungsdienst hilfreich und haben viel über den Umgang mit dem Pferd gelernt und auch die beteiligten Pferde und Ponys hatten einen aufregenden und interessanten Abend, in dessen Verlauf die Feuerwehrleute in ihren Uniformen mit den Helmen und Funkgeräten ihren Schrecken verloren haben.
